<!DOCTYPE html>
<html class="client-nojs vector-feature-language-in-header-enabled vector-feature-language-in-main-page-header-disabled vector-feature-page-tools-pinned-disabled vector-feature-toc-pinned-clientpref-0 vector-toc-not-available vector-feature-main-menu-pinned-disabled vector-feature-limited-width-clientpref-1 vector-feature-limited-width-content-enabled vector-feature-custom-font-size-clientpref-1 vector-feature-appearance-pinned-clientpref-0 skin-theme-clientpref-day vector-sticky-header-enabled" lang="de" dir="ltr"><head>
<meta charset="UTF-8">
<title>Erbgericht</title>
<meta name="viewport" content="width=device-width, initial-scale=1.0">
<link rel="icon" type="image/png" href="./_res_/favicon.png">
<link rel="canonical" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Erbgericht"> <link href="./_mw_/ext.cite.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.wikimediamessages.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/skins.vector.icons.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/skins.vector.search.codex.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/skins.vector.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<meta name="ResourceLoaderDynamicStyles" content="">
<link href="./_mw_/ext.gadget.citeRef.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.defaultPlainlinks.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiCommonHide.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiCommonLayout.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiCommonStyle.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiDarkmode.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiResponsive.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.specialSearch.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_mw_/site.styles.css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_mw_/noscript.css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_res_/footer.css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_res_/vector-2022.css">
</head>
<body class="skin--responsive skin-vector skin-vector-search-vue mediawiki ltr sitedir-ltr mw-hide-empty-elt ns-0 ns-subject page-Erbgericht rootpage-Erbgericht skin-vector-2022 action-view">
<div class="mw-page-container">
<div class="mw-page-container-inner">
<div class="mw-content-container">
<main id="content" class="mw-body">
<header class="mw-body-header vector-page-titlebar">
<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Erbgericht</span></h1>
</header>
<a id="top"></a>
<div id="bodyContent" class="vector-body ve-init-mw-desktopArticleTarget-targetContainer" aria-labelledby="firstHeading" data-mw-ve-target-container="">
<div id="contentSub">
<div id="mw-content-subtitle"></div>
</div>
<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr">
<p><b>Erbgericht</b> bzw. <a href="Patrimonialgericht" title="Patrimonialgericht">Patrimonialgericht</a> (auch: <b>Lehngericht</b> oder <b>Erblehngericht</b>) hieß im <a href="Mittelalter" title="Mittelalter">Mittelalter</a> und in der frühen <a href="Neuzeit" title="Neuzeit">Neuzeit</a> der Sitz des Erbrichters, also jenes Mitgliedes der dörflichen Gemeinde, welches dem Dorfgericht vorstand und dieses Amt an seine Nachkommen weitergeben konnte, ohne dass der Inhaber der <a href="Niedere_Gerichtsbarkeit" title="Niedere Gerichtsbarkeit">Niedergerichtsbarkeit</a>, dies war häufig der <a href="Grundherr" class="mw-redirect" title="Grundherr">Grundherr</a>, Einfluss auf die Besetzung der Stelle nehmen konnte. Der Erbrichter erhielt einen Teil der Gerichtsgebühren und der fälligen Bußgelder, zumeist ein Drittel. Der Rest ging an den Inhaber der Gerichtsbarkeit.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte">Geschichte</h2></div>
<p>In den Ländern östlich der <i>Elbe-Saale-Linie</i>, also der im Mittelalter etwa entlang der Elbe und Saale verlaufenden Siedlungsgrenze zwischen deutschen und <a href="Westslawen" title="Westslawen">westslawischen</a> Stämmen, wurde das Erbrichteramt bei der Anlage von Dörfern nach deutschem Recht (<a href="Sachsenspiegel" title="Sachsenspiegel">Sachsenspiegel</a>) geschaffen und in der Regel mit einem besonders großen Bauerngut verbunden. Nicht selten kam die Erbrichterstelle in den Besitz des <a href="Lokator" title="Lokator">Lokators</a> und seiner Nachkommen. Er wurde damit für die Verdienste um die Gründung des Dorfes entlohnt. Häufig waren mit dem Erbrichteramt auch das <a href="Schankrecht" class="mw-redirect" title="Schankrecht">Schankrecht</a> und das <a href="Braurecht" title="Braurecht">Braurecht</a> verbunden. Deshalb heißen noch heute in nicht wenigen Dörfern Gaststätten Erbgericht oder z. B. <a href="Brausch%C3%A4nke" class="mw-redirect" title="Brauschänke">Brauschänke</a> (vgl. <a href="Tafernwirtschaft" title="Tafernwirtschaft">Tafernwirtschaft</a>).
</p>
<p>Die Erbrichter oder Erbschulze, im schlesischen und polnischen Raum <a href="Woith" title="Woith">Woith</a> genannt, waren <a href="Schulthei%C3%9F" title="Schultheiß">Schultheiße</a>. Sie hatten das Recht, die Dorfschänke (-krug), auch den <a href="Kretscham" title="Kretscham">Kretscham</a> zu führen. Die Steuern wurden von ihnen eingenommen. Sie durften auch Handwerker halten und eigene Mühlen betreiben. Die wirtschaftliche Vorrangstellung war mit der dörflichen Polizeigewalt und der niederen Gerichtsbarkeit (im Gerichtskretscham) verbunden. Dort wurden Geburten und Todesmeldungen registriert, das Hochzeitsgeld bezahlt, Feiern abgehalten und <a href="Losbrief" title="Losbrief">Losbriefe</a> beantragt. In Dörfern ohne Schule wurde im Kretscham unterrichtet. Man fungierte bei höheren Gerichten als Beisitzer.
</p>
<p>Ganz ähnlich war dem Erbrichter von der Funktion her der <b>Lehnrichter</b>, nur dass dieser sein <a href="%C3%96ffentliches_Amt" title="Öffentliches Amt">Amt</a> und sein <a href="Gutshof" title="Gutshof">Gut</a> als <a href="Lehen" class="mw-redirect" title="Lehen">Lehen</a> hatte. Deshalb war er zusätzlich auch zur <a href="Heeresfolge" title="Heeresfolge">Heeresfolge</a> verpflichtet, wenn seine Herrschaft ihn dazu aufforderte. In der <a href="Oberlausitz" title="Oberlausitz">Oberlausitz</a> war die Belehnung mit dem Richteramt bis zum <a href="Drei%C3%9Figj%C3%A4hriger_Krieg" title="Dreißigjähriger Krieg">Dreißigjährigen Krieg</a> keine Seltenheit, sie kamen vor allem im <a href="Sorben" title="Sorben">sorbischen</a> Siedlungsgebiet vor, wenngleich auch dort in der Mehrzahl Erbgerichte bestanden.
</p><p>Die Entstehung der Oberlausitzer Richterlehen ist ungeklärt. Manche Historiker sind der Auffassung, dass sie aus dem sorbischen Adel oder den <a href="Gespan" title="Gespan">Zupanen</a> hervorgegangen sind. Mit der <a href="Deutsche_Ostsiedlung" class="mw-redirect" title="Deutsche Ostsiedlung">Ostbesiedelung</a> ging eine <a href="Christianisierung" title="Christianisierung">Christianisierung</a> einher und <i>bekehrte</i> sorbische Adlige unterstützten die neuen Herren. Vielen Sorben erschien die von den deutschen Kolonisten eingeführte Erbgerichtsbarkeit mit einer weitgehenden lokalen Selbstverwaltung als vorteilhaft. 1218 lehnten sich sorbische Bauern gegen ihren Feudalherren <i>Mocco von Stolpen</i> auf und unterstützten <a href="Bruno_II._von_Porstendorf" title="Bruno II. von Porstendorf">Bischof Bruno von Meißen</a> bei der Landnahme.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Eine besondere Rolle hatten die Erblehnrichter im Amt <a href="Stolpen" title="Stolpen">Stolpen</a> inne, z. B. in <a href="Gro%C3%9Fdrebnitz" title="Großdrebnitz">Großdrebnitz</a>. Sie unterstanden keiner <a href="Feudalherrschaft" class="mw-redirect" title="Feudalherrschaft">Feudalherrschaft</a>, das Richteramt war erblich und die Güter wurden frühzeitig allodifiziert, d. h., in persönliches Eigentum oder <a href="Freirichter" title="Freirichter">Freigüter</a> umgewandelt. Die Erbrichter waren zumeist von <a href="Frondienst" title="Frondienst">Frondiensten</a> befreit.
</p><p>Es gab Dörfer, in denen das Richteramt nicht erblich war. Der Richter wurde vom Grundherrn eingesetzt (<a href="Setzrichter" title="Setzrichter">Setzrichter</a>) oder das Amt ging unter den Bauern reihum (walzendes Gericht).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Erbgericht?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Erbgericht</a></span></b> – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Roland Paeßler, <i>Die Erbrichter in der Umgebung von Bischofswerda</i>. In: Mathias Hüsni (Hg.): <i>Schiebocker Landstreicher</i>. H. 3, Burkau 2008. <span class="-print"><a href="Internationale_Standardnummer_f%C3%BCr_fortlaufende_Sammelwerke" title="Internationale Standardnummer für fortlaufende Sammelwerke">ISSN</a> <span style="white-space:nowrap"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://zdb-katalog.de/list.xhtml?t=iss%3D%221866-7872%22&key=cql">1866-7872</a></span></span>. S. 8–16</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
Dieser Artikel wurde von <a class="external text" title="Zuletzt bearbeitet am 2025-08-25" href="https://de.wikipedia.org/wiki/?title=Erbgericht&oldid=259170883">Wikipedia</a> herausgegeben. Der Text ist unter <a class="external text" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de">Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0</a> verfügbar, sofern nicht anders angegeben. Für die Mediendateien können zusätzliche Bedingungen gelten.
</div>
</div><!--/htdig_noindex--></div>
</div>
</main>
</div>
</div>
</div>
<script src="./_webp_/webpHandler.js"></script>
</body></html>